Santiago: Guten Tag, lieber Herr Wagner. Wir sind von der #zukunftmachen“-Redaktion und würden Ihnen heute gerne ein paar Fragen stellen.
Herr Wagner: Gerne, hallo.
Zezko: Dann fangen wir direkt mit der ersten Frage an: Was bedeutet Demokratie für Sie?
Herr Wagner: Demokratie ist eine sehr wichtige Sache, und wir können alle froh sein, dass wir in einer Demokratie leben. Für mich bedeutet Demokratie Teilhabe, dass jeder ohne Angst verfolgt zu werden mitbestimmen darf. Demokratie heißt Mitbestimmung und Mitgestaltung der Gesellschaft.
Santiago: Sie sprechen sehr positiv über Demokratie. Sehen Sie auch Gefahren?
Herr Wagner: Ja, eine Gefahr der Demokratie ist, dass sie sich selbst abschaffen kann. Sie hat gewissermaßen einen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus. Man kann demokratisch gewählt werden und dann die Macht missbrauchen, um Gesetze zu verändern oder Einfluss auf die Justiz zu nehmen, sodass man selbst davon profitiert. Ich befürchte, dass es Parteien gibt, die genau das vorhaben. Eine weitere Schwierigkeit der Demokratie ist, dass sie immer auf Kompromissen basiert und es nicht allen recht machen kann. Es ist eine Herausforderung alle gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen und zu berücksichtigen. Wenn das nicht gelingt, kann das System schnell ins Ungleichgewicht geraten.
Nick: Meinen Sie, dass jeder das Recht haben sollte, frei zu wählen?
Herr Wagner: Ja, auf jeden Fall. Jeder sollte in den Wahlprozess eingebunden werden.
Zezko: Waren Sie mit den Ergebnissen der Landtagswahl zufrieden?
Herr Wagner: In keiner Weise. Ich war selbst als Wahlhelfer im Briefwahlzentrum tätig und habe mich sehr darüber geärgert. Auch, dass bestimmte Parteien viele Stimmen bekommen haben, gehört zwar zur Demokratie, zeigt aber auch die Gefahr, von der ich gesprochen habe. Das macht mich nachdenklich und ehrlich gesagt auch besorgt.
Santiago: Eine Frage, die uns Jugendliche besonders betrifft: Was ist Ihre Meinung zur Wehrpflicht?
Herr Wagner: Ich finde, dass niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden sollte. Stattdessen bin ich für einen freiwilligen Dienst, für alle – zum Beispiel – ein soziales, ökologisches oder pädagogisches Jahr. Es gibt viele Möglichkeiten sich in der Gesellschaft zu engagieren. Früher gab es den Zivildienst als Alternative, der besonders im Pflegebereich eine große Unterstützung war. Diese Kräfte fehlen heute. Ein freiwilliges Jahr könnte jungen Menschen helfen, Erfahrungen zu sammeln und sich persönlich weiterzuentwickeln.
Nick: Was ist Ihre Meinung zu den Workshops?
Herr Wagner: Ich habe leider noch nicht alle gesehen, aber das, was ich bisher wahrgenommen habe, finde ich sehr gut. Es sind kreative Projekte und ich habe den Eindruck, dass die Schülerinnen und Schüler Spaß daran haben.
Zezko: Was bedeutet für Sie „#zukunftmachen“?
Herr Wagner: Das bedeutet für mich in die Zukunft zu blicken: sich zu fragen, wo man in ein paar Jahren stehen möchte, welche Ziele man hat und wie man diese erreichen kann.
Santiago: Haben die Workshops Ihrer Meinung nach einen produktiven Zweck?
Herr Wagner: Ja, auf jeden Fall. In vielen Workshops wird aktiv gearbeitet. Vor allem aber setzen sich die Teilnehmer mit dem Thema Demokratie auseinander und das ist das Wichtigste.
Nick: Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?
Herr Wagner: Ich hoffe vor allem, dass wir alle gesund bleiben und es uns gut geht. Für die Schule wünsche ich mir, dass sie sich weiterentwickelt und so gestaltet wird, dass sich Schülerinnen und Schüler wohlfühlen und gerne lernen.
Zezko: Was halten Sie davon, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken?
Herr Wagner: Ich bin dafür. Wir leben in einem demografischen Wandel und die Gesellschaft wird immer älter. Deshalb werden die Interessen junger Menschen oft zu wenig berücksichtigt. Jugendliche, die bereits arbeiten oder eine Ausbildung machen, sollten auch wählen dürfen.
Interviewer: Vielen Dank für das Interview!
Das Gespräch führten Zezko, Santiago und Nick (alle 10a).